Zum Inhalt springen

Kann KI wirklich lernen – Was ist autonomes Lernen?

    Hallo liebe Leserin, lieber Leser,

    was bedeutet eigentlich Lernen? Und was heißt autonomes Lernen? Können wir gezwungen werden zu lernen? Oder findet echtes Lernen immer freiwillig statt?

    Schauen wir uns das mal an. Schon Platon sagte sinngemäß: Was die Kinder erzwungenermaßen lernen, das vergessen sie schnell wieder. Nur was sie im freien Spiel lernen – also autonom und aus sich heraus – das behalten sie wirklich, das dringt wirklich zu ihnen durch.

    Kinder sind von Geburt an Lernwesen. Bis zur Schule haben sie Unglaubliches gelernt: Laufen, Sprechen, grundlegende soziale und motorische Fähigkeiten. Und das, ganz wichtig, ohne Zwang und Druck. Einfach aus ihrem inneren Antrieb, aus Neugier, aus sich heraus. Völlig autonom.

    Das Schulsystem: Lernen unter Zwang und psychischer Gewalt

    Und dann schicken wir sie in die Schule. Was passiert dort oft? Statt diesen natürlichen, autonomen Lernantrieb zu fördern, zwingen wir Kinder, Dinge auswendig zu lernen. Meistens nur bis zur nächsten Prüfung. Danach wird das Gelernte erleichtert vergessen.

    Diese Form des erzwungenen Lernens hinterlässt ein negatives Gefühl – verbunden mit dem Stoff, dem Ort, der Erfahrung. Viele sind froh, wenn sie nach Prüfungen alles vergessen und verdrängen können. Ein treffender, wenn auch drastischer Vergleich: Es erinnert an Bulimie. Man nimmt unter Zwang und im Übermaß auf, nur um es dann wieder loszuwerden. Das hat nichts mit gesundem, genussvollem „Essen“ oder echtem, nachhaltigem „Lernen“ zu tun.

    Dieses Bildungssystem funktioniert oft mit Macht und psychischer Gewalt. Es geht nicht um das freie, autonome Lernen des Kindes, sondern um Anpassung an Vorgaben, um Selektion, um Unterordnung unter die Logik des Systems.

    Können Maschinen lernen? Die Illusion vom technischen Fortschritt.

    Diese Fixierung auf messbarem Output und Berechenbarkeit spiegelt sich in unserer Begeisterung für Technik wider, bis hin zur Frage: Können Maschinen lernen?

    Die Antwort ist kurz: Nein. Maschinen können rechnen. Sie können komplexe Wahrscheinlichkeiten berechnen, riesige Datenmengen analysieren und Vorhersagen treffen, welches Wort am wahrscheinlichsten auf ein anderes folgt oder welche Reaktion auf eine Eingabe am wahrscheinlichsten ist. Sie können menschliches Verhalten statistisch nachahmen und die wahrscheinlichste Antwort berechnen.

    Aber das ist nicht: autonomes Denken oder autonomes Lernen. Es ist nicht einmal Imitation im menschlichen Sinne. Echtes Lernen, menschliches Denken beinhaltet Urteilen, Bewerten, Fühlen, Sinnstiftung – Qualitäten, die Maschinen nicht besitzen. Ein Kind überlegt, was es für richtig hält. Eine Maschine berechnet, was am wahrscheinlichsten ist.

    Die Vorstellung, dass Maschinen Therapie ersetzen könnten, ist Humbug. Sie können Daten verarbeiten, aber sie können nicht fühlen, nicht mitfühlen, keinen echten Widerstand leisten, keine Beziehungsdynamik erfassen. Sie sind, wie du es mit Platon formulierst, scheinhafte Abbilder, aber ohne die wahre Idee, den Geist.

    Verstehen versus Gut/Böse: Die Abwehr des Denkens

    Ein zentrales Problem in all diesen Bereichen – von Bildung über Technik bis hin zu Politik und sogar psychischem Leid – ist die Abwehr des Verstehens.

    Wenn die Welt in einfache Kategorien von Gut und Böse eingeteilt wird (oft mit religiösen Wurzeln: Gott macht den einen gut, den anderen böse, wer ist wer, muss mit Gewalt herausgefunden werden), dann wird das Nachfragen nach Ursachen und Gründen irrelevant. Warum jemanden verstehen wollen, der als „böse“ definiert wurde? Das widerspricht der simplen Gut/Böse-Logik und der Idee der Auserwählung.

    Gerade die Psyche lässt sich nicht naturwissenschaftlich, mit einfachen Ursache-Wirkung-Ketten, erfassen. Psychische Gründe müssen mit Vernunft, Logik, Argumenten und auch Gefühlen nachvollzogen und analysiert werden. Das ist mühsam. Es erfordert Denken, das über starre Glaubenssätze oder naturwissenschaftliche Modelle hinausgeht. Das ist für diejenigen, die an einfache Wahrheiten glauben (ob religiös oder pseudowissenschaftlich), oft „zu anstrengend“.

    Das Verstehen, das Suchen nach dem „Warum“, wird in einem solchen Klima verdächtig gemacht. Wer verstehen will, wird beschimpft – als „Putin-Versteher“, als „Moralist“, als „Gutmensch“. Das ist zutiefst antihumanistisch und spiegelt einen harten, rechten Zeitgeist wider, der keine Zwischentöne, keine Analyse, keine Empathie duldet.

    Ein humaner Gegenentwurf: Philosophie als Weg zur wahren Freiheit

    Gegen diese Tendenzen – Zwang im Lernen, Pseudolernen durch Maschinen, Fortschritt als Dogma, Abwehr des Verstehens – steht das echte philosophische Denken.

    Die Philosophie, die nicht nach Dogmen fragt, sondern nach Gründen. Die nicht nach der Auserwählung sucht, sondern nach der gleichen Fähigkeit zur Vernunft in jedem Menschen. Die nicht die Natur beherrschen, sondern verstehen will.

    Ein wirklich philosophisch denkender Mensch ist z.B. der Dalai Lama. Unabhängig von seiner religiösen Rolle, geht es ihm um Ethik, Moral und humanes Handeln. Seine Idee, Religionen abzuschaffen, um eine rein humanistische Grundlage für ein selbstbestimmtes Leben zu schaffen – das wäre eine echte Revolution, eine Kampfansage an Fortschrittswahn, Kapitalismus und Naturzerstörung, die oft einen religiösen Kern haben.

    Ein solches Verstehen – das tiefe Analysieren von Ursachen und Gründen, das Streben nach Klarheit über die Welt, andere und sich selbst – ist eine humanistische Leistung. Es ist der einzige Weg, die zerstörerischen Spiele der Auserwählung und des Gut/Böse-Denkens zu durchschauen.

    Nur so haben wir die Chance, eine humanistische Welt zu errichten. Es geht nicht darum, die Ursachen zu erforschen, um zu verzeihen, sondern um zu verändern.

    Der Weg zur wahren Freiheit führt über das Denken, über das kritische Verstehen. Über das Hinterfragen der Systeme, die uns zum Lernen unter Zwang, zur Arbeit als Strafe und zur Angst vor dem Verstehen drängen.


    Du musst die Welt nicht allein verstehen! 🌱
    Komm in die Newsletter-Community & entdecke die Kraft gemeinsamer Gespräche im Philo-Café.

    Philosophie beginnt mit einer Frage – und wächst in der Gemeinschaft.

    Schreibe einen Kommentar

    Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert